Als wir die Planungsgruppe für die neue Gesamtschule in Niederrad gegründet haben, war der erste Schritt Bilanz zu ziehen. Was hat gut geklappt in unserem bisherigen Lehrerleben? Dazu ist uns schon etwas eingefallen, auf der Beziehungsebene ist uns z.B. Gutes gelungen. Viel spannender fanden wir aber die Frage, was nicht geklappt hat. Ein Beispiel dafür: Es ist toll, wenn es gelingt, eine Frage zu formulieren, die Kinder neugierig macht. Wenn sich dann aber 25 melden und unbedingt etwas dazu sagen wollen, wird der gute Ansatz ins Negative verkehrt; spätestens nach dem fünften Beitrag wird es laut – nicht, weil die Kinder unaufmerksam werden, sondern weil ihnen ihr Beitrag so auf den Nägeln brennt, dass sie ihn loswerden wollen. Im Plenum dauert das zu lange, also tauschen sie sich mit den Banknachbarn aus. Dann sind wir oft in der Rolle, für Ordnung zu sorgen und damit das Interesse abzuwürgen. Also stellt sich die Frage: Wie kann es gelingen, Kinder neugierig zu halten, ihnen Räume zu geben, gehört zu werden? Daraus ist unsere Schwerpunktsetzung auf forschendes Lernen und Kommunikation gewachsen. Wir verabschieden uns von der traditionellen Raumaufteilung, bei der einer vorne steht, auf den sich alles konzentriert, gestalten Lernorte, in denen Kinder individuell arbeiten und die uns die Möglichkeit geben, auf die einzelnen SchülerInnen, dann, wenn es gebraucht wird, einzugehen.

Mit diesem Ansatz sind wir nicht allein. Wir haben Schulen besucht, die eine andere Lernkultur entwickelt haben, und aus deren positiver Erfahrung viel Mut gezogen.

Wenn Sie neugierig sind, schauen Sie doch einmal bei der Vierten Aachener Gesamtschule vorbei:

http://www.gesamtschule-aachen.de/

„Schule neu denken – Transformationsprozesse initiieren und gestalten“ lautet das Motto einer Fortbildung im Bildungswerk Aachen, an der auch Mitglieder der Planungsgruppe teilnahmen. Gemeinsam mit LehrerInnen unterschiedlicher Schulformen aus verschiedenen Bundesländern haben wir uns drei Tage lang über Konzepte und Prozesse ausgetauscht. Es waren Schulen da, die sich bereits auf den Weg gemacht und von ihren Erfahrungen berichtet haben und wir konnten unser Konzept vorstellen und diskutieren. Unterstützt wurden wir von Alfons Döhler, dem Leiter des Bildungswerks Aachen, und von Margret Rasfeld, der ehemaligen Leiterin der ESBZ.